Alte, ferne Heimat
12. August
Mitte der 90er Jahre bin ich daheim ausgezogen - und seitdem ist nach und nach den Bezug zu meiner alten Heimat verloren gegangen. Mit der trostlosen Stadt, die ihrer Industrie beraubt und hart vom Wegzug betroffen auch 18 Jahre nach der Wende noch immer mit massiven Infrastrukturproblemen zu kämpfen hat, kann ich nichts mehr anfangen. Alles wirkt fremd: das zur Hälfte abgerissene Neubaugebiet mit den Plattenbauten, in denen ich 5 Jahre gelebt habe, die inzwischen wunderschön sanierte Stadtvilla in der unmittelbaren Nähe des Gradierwerkes, die leere Innenstadt, das seit über 10 Jahren vernagelte Kino, der zur Nebensache verkommene Bahnhof - je genauer ich all dies anschaue, umso deutlicher spüre ich, dass ich nicht hierher gehöre.
Durch die Augen eines ortsfremden Begleiters fällt einem erst richtig auf, wieviel alte, unrenovierte Bausubstanz nach wie vor noch existiert. Gerade in der Landeshauptstadt Magdeburg finden sich die beiden Extreme: auf einer Seite ein seit Jahren stillgelegter Güterbahnhof mit langsam zerfallenen, komplett leerstehenden Wohnhäusern, eine Querstrasse weiter eine luxussanierte Allee in bester Innenstadt-Lage mit sichtbar teuren Villen. Die Gelder des Aufbaus wurden recht ungleichmässig verteilt.
Anfang Juli wurde mein Geburtsort auch noch von der Realität eingeholt: nach der letzten Kreisreform verlor Schönebeck den Status einer Kreis-Stadt. Sichtbares Zeichen: Es gibt keine neuen Nummernschilder mit SBK- mehr. Doch Fahrzeuge mit diesen Kennzeichen habe ich eh nur äußerst selten auf den Autobahnen gesehen.
Kette einer seit vielen Jahrzehnten nicht mehr verkehrenden Elb-Fähre
Es tut gut, wieder in eine andere Gegend zu fahren. So im direkten Vergleich versprüht selbst Neukölln, der Berliner Stadtteil mit dem schlimmsten Ruf, etwas Charme.
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Kommentare:
magdeburg, mein magdeburg
toco (16.8.2007, 19:31)
tigger (17.8.2007, 09:43)