Happy Birthday, Berliner Mauer

13. August

Geschrieben am 13.8.2007 von Tigger

Vor 46 Jahren war es soweit - ein grandioses Bauwerk, über welches die ganze Welt sprechen sollte, wurde hier in Berlin enthüllt: Der antifaschistische Schutzwall schützte unsere deutsche demokratische Republik fortan vor den reaktionären Parasiten der Westmächte, die den Aufbau unseres erfolgreichen Sozialismus vor lauter Neid sabotieren wollten.

28 Jahre lang hielt dieser Schutzwall. S-Bahn-Verbindungen wurden gekappt, U-Bahnhöfe zugemauert (zwei Linien fuhren im Ostteil Berlins ohne Zwischenhalt an den Geisterbahnhöfen durch, andere Linien wurden sowohl im Osten wie auch im Westen einzeln betrieben), Checkpoint Charlie errang eine traurige Berühmtheit. Immer wieder gab es Fluchtversuche - mal gelang es, über einen selbstgegrabenen Tunnel gleich Dutzende Menschen nach Westberlin zu bringen, mal wiederum ertrank ein Kind beim Spielen in der Spree, da sich niemand auf Ost- und Westseite zu helfen traute aus Angst vor einem Grenzkonflikt.

Heute, 18 Jahre nach der Wende, hätte die damalige SED-Führung ihr Bollwerk gegen den Klassenfeind nicht wiedererkannt. Ein schmaler Streifen existiert als East Side Gallery noch an der Stadtbahn zwischen dem Ostbahnhof und der U-Bahn-Station Warschauer Straße. Von Graffiti-Künstlern bemalt, teilweise arg mit kindischen Motiven beschmiert, löchrig, mit eingebauten Türen und direkt dahinter eine Strand-Bar an der Spree - was heute nach 46 Jahren von der Mauer noch steht ist nichts als eine Touristen-Attraktion.

[Berliner Mauer am 13.August 2007]

13. August '07 - Ein paar Reste der Mauer feiern still den 46. Geburtstag

Eine Minute der Besinnung: es läuft viel falsch in der Politik, keine Frage. Aber die Tatsache, dass ich Meinungs- und Denkfreiheit geniessen kann, dass ich im Rahmen der europäischen Einigung problemlos in Österreich leben kann, dass ich just gerade im Westteil Berlins sitz und dort eine tolle Frau kennengelernt hab, dass man ebenso selbstverständlich zwischen Bayern und Thüringen auf der Autobahn wechseln kann wie zwischen Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen, all das ist es wert, kurz der guten Aspekte der Wende zu gedenken. Danke an alle, die anno '89 an der friedlichen Revolution beteiligt waren. Danke, dass die Mauer heute nur noch eine Touristen-Attraktion ist und nicht mehr das massive Symbol der Teilung.

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Kommentare:

Sehr wahr gesprochen ... äh geschrieben. Und für alle, die sich die DDR noch immer herbeiwünschen sei gesagt, dass da mehr schöner Schein als Sein war.

Ise (14.8.2007, 21:25)

Es war nicht alles schlecht in der DDR - was aber weniger an der DDR als an den Menschen lag, die darin lebten. Ich hatte eine tolle Kindheit und hab bis heut nicht das Gefühl, etwas verpasst zu haben - aber ich bin sehr froh, dass die Epoche des real existierenden Sozialismus vorbei ist.

tigger (14.8.2007, 23:36)