Wahlkampf mal anders
2. Sept.
Sarah Palin, die Vizepräsidentschaftskandidatin der Republikaner (Foto: Wikipedia)
Der US-Präsidentschafts-Wahlkampf hat etwas. Schon die Vorwahlen brachten ein spannendes Rennen erste Präsidentschaftskandidatin gegen ersten schwarzen Präsidentschaftskandidaten auf Seiten der Demokraten - und die vorher hoch favorisierte Hillary unterlag, nicht ohne vorher viel von Obamas Ansehen zu ruinieren. Dafür versuchte Obama, fröhlich winkend im Ausland den Eindruck eines Staatsmannes zu machen, was spontan an Matt Harding erinnerte: eine Figur mit immer gleich lächerlichen Bewegungen vor wechselnden geographischen Hintergründen - als würden Grinsen und Winken als Beweis von Führungsstärke ausreichen.
Kaum hatte Obama seine Kandidatur geschafft, sackten seine Umfragewerte in den Keller. Obwohl es einfach sein sollte, als Alternative zur Regierung Bush zu punkten, holte der republikanische Kandidat auf. Es schien, als wäre die amerikanische Öffentlichkeit der ewig gleichen Schlagworte "Yes, we can!" und "Change!" leid. Sollten die düsteren Stimmen Recht behalten, die behaupten, dass ein schwarzer Kandidat nicht gewählt werden würde, da die Zeit noch nicht reif sei? Und wieviel Potential hat ein Senator, der noch nie Verantwortung übernehmen musste und bisher nichts als gute Reden gezeigt hat, wirklich?
Während Obama einen Vizekandidaten vorstellte, der all das verkörperte, was die politischen Gegner ihm selbst als fehlend ankreideten - und damit ein Gegenstück seiner eigenen Vision! -, parierte McCain mit einem Volltreffer: seine Vizekandidatin ist eine Frau, eine bildhübsche, elegante und natürlich erzkonservative Frontkämpferin im Kampf gegen Abtreibung und Schwulenehe. Sarah Palin, erst seit zwei Jahren Gouvernor von Alaska, machte die Republikaner auf einen Schlag attraktiv. Wie seltsam: Obama zieht mit einem äußerst konservativen, seit 30 Jahren in Washington als Politiker dienenden Vize in den Kampf gegen das Establishment. Und die Republikaner, die keine Gelegenheit auslassen, die fehlende Erfahrung Obamas als dessen wunden Punkt zu betonen, sehen sich nun mit einer Vizekandidatin konfrontiert, die ähnlich exotisch wie Obama selbst wirkt.
Als wäre eine politisch unerfahrene Frau für die Republikaner nicht schlimm genug, wühlen nun die Zeitungen gleich noch ein paar Fakten und Gerüchte hervor: Palin, die für Enthaltsamkeit vor der Ehe eintritt, hat eine 17jährige schwangere Tochter. Sie beteiligte sich früher in einer Untergrundbewegung am Versuch, Alaska aus dem Verbund der USA zu lotsen, und momentan wird ihr Machtmissbrauch vorgeworfen. Während diese Details die Frau für mich nur umso interessanter macht, muss doch die Stammwählerschaft der Republikaner, die McCain schon für viel zu liberal hält, Palins Nominierung als Katastrophe sehen!
Lehnen wir uns zurück, greifen zu Bier & Popcorn und geniessen den Showdown im November. Es verspricht spannend zu werden!
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Kommentare:
muettersorgen
daniel (3.9.2008, 10:45)
Kesro (3.9.2008, 10:55)
tigger (3.9.2008, 12:50)
Kesro (3.9.2008, 13:03)