Doomsday device [UPDATE]
9. Sept.
Unsere mögliche Zukunft: die Erde als schwarzes Loch (Bild: Wikipedia)
Morgen ist es soweit: der Large Hadron Collider in Genf wird seine Arbeit aufnehmen, und mit etwas Pech geht dabei die Erde drauf. Heut abend lohnt es sich also noch einmal, mit dem Liebsten zu schmusen, ein Auto zu klauen oder sich richtig zu besaufen, denn es könnt das letzte Mal sein.
Zugegeben, die Einleitung klingt sehr polemisch. Natürlich arbeiten die Physiker am CERN nicht aktiv an der Vernichtung der Welt, vielmehr betreiben sie Grundlagenforschung. Um dem Aufbau der Materie weiter auf die Spur zu kommen, wurde in den vergangenen 10 Jahren ein gewaltiges Monster geschaffen: ein Ring mit 27km(!) Durchmesser, der eigentlich um Genf herum verläuft, soll diverse Elementarteilchen auf nahezu Lichtgeschwindigkeit bringen und miteinander kollidieren lassen. Dazu ist die gesamte Anlage auf -271 Grad heruntergekühlt - das ist ein Grad kälter als der Weltraum, der durch die Hintergrundstrahlung zumindest ein klein wenig behaglicher ist. Wenn man sich die Baukosten, die Energiekosten und nicht zuletzt die Gehälter all der Wissenschaftler anschaut, fragt man sich als Laie unwillkürlich, ob dies noch in einem Verhältnis zum erwarteten Erkenntnisgewinn steht. Anderseits, Grundlagenforschung sollte nicht mit ökonomischen Maßstäben bewertet werden, sonst hätte auch die Raumfahrt keine Bedeutung, und niemand hätte unser heißgeliebtes Internet erfunden.
Abgesehen vom finanziellen Aspekt gibt es jedoch hier noch eine gewisse theoretische Chance, dass durch den Teilchenbeschuss ein schwarzes Loch entstehen könnte. Obwohl so gut wie alle Physiker dies mit "extrem unwahrscheinlich" abtun, die Möglichkeit allein wär ein spannender Stoff für eine düstere Sci-Fi-Geschichte: würde ein solches kleines schwarzes Loch entstehen, gäbe es nichts, was wir dagegen tun könnten. Nach und nach würde sämtliche Materie von ihm aufgesogen: Alufolie, Bauschaum, Bleiplatten, Atombomben - die Menschheit hätte rein gar nichts, um Unglück aufzuhalten. Den Physikern sind solche Entscheidungen nicht fremd: als im Rahmen des Manhattan-Projekts Anfang der 40er in den USA die Entwicklung der Atombombe begann, gab es ernsthafte Befürchtungen, eine solche Waffe könnte die Erdatmosphäre entzünden. Der Projektleiter selbst hielt es nicht für ausgeschlossen, dass ein erster Waffentest die gesamte Erde vernichten könnt - und gab dennoch grünes Licht. Auch die Russen waren nicht zimperlich: ihre Zar-Bombe erzeugte einen Atompilz von 64km, dabei war sie ursprünglich doppelt so stark geplant gewesen und hätt uns alle deutlich atomar verstrahlt und unter Umständen ein Loch in die Erdkruste unter dem Testgelände gerissen, wäre nicht im letzten Moment auf die vierte Stufe der Bombe verzichtet worden.
Klar, wo gehobelt wird fallen Späne. Technischer Fortschritt ist leider ab und an auch mit Unfällen verbunden, wie uns die Raumfahrt immer wieder vor Augen führt. Doch es kommt nicht alle Tage vor, dass man mit einem Tastendruck die gesamte Welt auslöschen kann. Geniesst also den heutigen Abend, vielleicht wars das dann ja mit uns allen :)
UPDATE
Bei heise Online gibt es eine sehr sinnig klingende Betrachtung zur energetischen Größenordnung: Der LHC tut energetisch nichts, was der Kosmos nicht auch täte, nur halt in deutlich kleinerem Maßstab und mit ein paar Wissenschaftlern, die ganz genau hinschauen. That's all.
<< #389 | 9 Kommentare | Kommentieren | #391 >>
Kommentare:
Miss Pornero (9.9.2008, 13:15)
Wulffi (9.9.2008, 13:52)
Kesro (9.9.2008, 14:32)
tigger (9.9.2008, 14:48)
Lorelei (9.9.2008, 15:11)
morgen geht die bombe hoch... und wir gehn alle mit!
daniel (9.9.2008, 16:04)
tigger (9.9.2008, 16:38)
one more thing...
daniel (9.9.2008, 22:07)
tigger (9.9.2008, 22:17)