Im Alliierten-Museum

19. Sept.

Geschrieben am 19.9.2008 von Tigger, abgelegt unter Unterwegs

[Berlin - Divided but not conquered]

Never give up, never surrender! (von einem Plakat abfotografiert)

Fast 20 Jahre ist es her, dass die Mauer fiel. Damals, in den späten Abendstunden des 9. Novembers, strömten zehntausende Ost-Berliner in den Westteil der Stadt, überrannten die Grenzer regelrecht und brachten damit die Mauer zum Einsturz, die 28 Jahre lang Berlin teilte. Heute muss man schon suchen, will man noch Spuren im Stadtbild erkennen: der Potsdamer Platz ist längst wieder zu einem Entertainment-Zentrum aufgebaut worden, die S- und U-Bahnen fahren wie selbstverständlich auf einem Streckennetz, welchem man die Trennung nicht mehr ansieht, inzwischen wird auch des Sommers in Treptows Parks ebenso gegrillt wie auf den Grünflächen Kreuzbergs, und der Glastempel des neuen Hauptbahnhofs hat die Machtkämpfe zwischen Bahnhof Zoo und dem Ostbahnhof um die Vormachtstellung hinfällig gemacht. Wo man in den 90ern allerorten regelrecht über Geschichte stolperte, muss man heute suchen. Und ein guter Platz dafür ist das Alliierten-Museum in Dahlem.

[Alliierten-Museum]

Die drei Flaggen der Westmächte markieren den Eingang

Direkt neben dem US-Konsulat in der Clay-Allee gelegen beleuchtet das Museum natürlich die Geschichte einseitig aus der Sicht der drei Mächte, die Westberlin verwalteten. Zur Erinnerung: Auch wenn die BRD (West-)Berlin wie ein Bundesland behandelte, in der Zeit von 1945-1990 - immerhin 45 Jahre lang - stand Berlin unter der direkten Kontrolle der Besatzungsmächte und war offiziell ein eigener, nicht komplett selbständiger Staat. So gab es in West-Berlin keine Wehrpflicht, deutsche Airlines durften Berlin nicht anfliegen (der Ostberliner Flughafen Schönefeld lag ausserhalb Berlins Stadtgrenze, daher galt diese Einschränkung für die Interflug dort nicht), Westberliner benötigten für einen Ausbruch aus ihrer ummauerten Stadt im Gegensatz zu Bundesdeutschten einen Passierschein, es gab Checkpoints wie den berühmten Checkpoint Charlie, die einzig den Alliierten Kontrollmächten offenstanden und keine Grenzübergänge waren. Und statt einer deutschen Armee waren Streitkräfte der vier Siegermächte USA, UK, der Sowjetunion und Frankreichs in Berlin stationiert.

[Rosinenbomber]

Ein Rosinenbomber der R.A.F. - beeindrucked in seiner Größe

Momenta ist die Berliner Luftbrücke ein Schwerpunkt der Ausstellung: Zwischen 1948 und 1949 blockierten sowjetische Streitkräfte fast ein Jahr lang sämtliche Verbindungen nach Westberlin, nahmen damit über 2 Millionen Zivilisten praktisch als Geiseln, denn Berlin konnte sich unmöglich selbst mit lebenswichtigen Gütern wie Kohle und Lebensmitteln versorgen. Hintergrund war der beginnende kalte Krieg, da konnte Moskau einen Vorposten wie Berlin mitten in der DDR nicht gebrauchen. Einzig die drei Luftkorridore, die durch Alliierten-Recht unantastbar waren, erlaubten noch eine Verbindung. Und die U.S.A.F. schaffte zusammen mit der R.A.F. das Unmögliche: 2 Millionen Menschen wurden aus der Luft versorgt, über 5000 Tonnen Güter pro Tag gelangten auf unzähligen Flügen per Luftfracht in die abgeschottete Stadt. Auch ohne Pathos betrachtet ist dies eine gigantische Leistung.

[Willy's Jeep]

Willy's Jeep - DAS Symbol der amerikanischen Streitkräfte

Zusätzlich zeigt das Museum auch den Aufbau der demokratischen Strukturen in der Zeit gleich nach dem Krieg - wobei die Rolle des Senders RIAS als Propaganda-Medium natürlich nicht betont wird -, Relikte aus der Besatzungszeit und als einer der Höhepunkte ein gut 7m langes Stück eines Spionage-Tunnels, mit dessen Hilfe die Amerikaner Anfang der 50er lange Zeit sowjetische Telefonate abhörten. Das alte Kino OUTPOST ist dabei eine geeignete Kulisse, zeugt doch allein das Schild "National Anthem is playing now - please wait" von einer fremden Welt. Gut erreichbar über die U3 (Oskar-Helene-Heim), preiswert (kein Eintritt) und noch dazu wenig überlaufen ist es eine Art Geheimtip für einen Berlin-Besuch.

[Der Spionage-Tunnel]

Das geborgene Teilstück des Spionage-Tunnels wurde innen originalgetreu hergerichtet

[Das Kino von innen]

Der Eingang zum Kino: während die Nationalhymne gespielt wurde, ging ein Licht an.

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Kommentare:

Jetzt hab ich auch Lust dahin zu gehen. :o)

Ise (20.9.2008, 10:08)

off topic:
ich weiß, ich weiß, du stehst nicht auf solche Dinge - aber ich hab mir trotzdem erlaubt dein Blog mit diesem Blog-Award auszuzeichnen ;))))
sternenstaubige Grüße

Sternenstaub (20.9.2008, 15:54)

Es freut mich, dass Du hier bei mir gern liest, und ich hoff, Du nimmst mir nicht übel, dass ich diesen Award-Schnickschnack nicht weiter mitmach ;)

tigger (21.9.2008, 12:14)