Die lange, lange Strasse nach Haus
22. Sept.
Eine Woche Berlin - wie jedesmal fiel mir auch gestern das Heimkommen richtig schwer. Natürlich kann es nicht nur Urlaub im Leben geben, man kann nicht jeden Tag gemütlich mit einem Frühstück um 11 beginnen und beim Blättern in der Zeitung spontan entscheiden, welche Unternehmungen einem genehm wären. Der Alltag ist viel grausamer: frühes Aufstehen, stundenlanges Sitzen im Büro, das Ausbaden der eigenen Fehler nervt ebenso wie das Aushalten der Macken anderer. Abends muss man dann noch irgendwo etwas einkaufen, denn die Notrationen sind lange weggefuttert, und der Kühlschrank enthält nach einer Woche Urlaub nur noch Dinge, die man sicher nicht mehr essen mag.
900km zwischen Berlin und Graz klingt erst einmal dramatisch. Da ich aber recht gern mit dem Auto unterwegs bin und auf Langstrecken auch eine sehr zurückhaltende Fahrweise an den Tag lege (gut, mit dem Toyota fahr ich eher 160 als 130, aber ich drängele nicht und fahr nur selten links, da ich mir den Stress dort ungern antue), liegt die Herausforderung weniger im Fahren selbst als vielmehr darin, währenddessen die Gedanken nicht so sehr um Alltagsprobleme kreisen zu lassen: Was erwartet mich am Montag vormittag für neuer Stress im Büro? Wie überbrück ich mit den ewig gleich klammen Finanzen den nächsten Monat? Gibt es Möglichkeiten, reell die Fernbeziehung irgendwann durch ein Zusammenleben zu ersetzen? Und wie haben die beiden Katzis wohl die Woche ohne mich überstanden?
Offenbar meinte das Schicksal es gut mit mir und riss mich durch ein wenig Action aus der Melancholie. Kurz vor Regensburg, ein gelbes Kontroll-Lämpchen warnte bereits vor einem sehr niedrigen Benzinstand im Tank, bemerkte ich, wie die Motor-Temperatur leicht anstieg. Geschult durch die letzten alten Klapperkisten, die allesamt Probleme mit dem Thermostat hatten, drehte ich die Heizung auf - überraschenderweise blieb es dennoch bei kalter Luft. Na super, zeitgleich mit den ersten kühleren Tagen fällt die Heizung aus. Grrr! Kaum hatte ich, um die nächste Tankstelle anzusteuern, bei Regensburg die Autobahn verlassen, spitzte sich die Situation allerdings schnell zu: jetzt, wo kein kühlender Fahrtwind mehr den Motor erreichte, kletterte die Temperatur-Nadel sehr schnell der roten Markierung entgegen. Ran an den Strassenrand, Motor aus und überlegen. Da war irgendwas ernsthaft hin, und wieder einmal in Regensburg.
Mit Mühe und immer die Temperaturanzeige im Auge behaltend schleppte ich mich zur nächsten Tankstelle. Obwohl es Sonntags kurz vor sechs Uhr abends war, half mir der Chef persönlich - ein feiner Zug in einer Zeit, in der Dienstleistungen nicht selbstverständlich sind. "Da hats was mit dem Kühler." stellte er sofort fest. Zum Glück gibt es Kühlwasser an jeder Tankstelle. Beim Einfüllen - und es fehlte eine Menge Kühlwasser, die Markierung am Ausgleichsbehälter war offensichtlich fehlerhaft - zeigte sich dann aber das wahre Problem. "Ui, da läuft ja alles raus. Der Kühler ist komplett durchgerostet." erklärte mir der Profi. Keine Frage, das gerade einfüllte Wasser rann unten wieder heraus. Er setzte nach: "Damit kann man nicht mehr weiterfahren, sonst ist der Motor auch hin." Sonntag abend gut 450km von daheim entfernt ohne Geld in einem Nachbarland will man genau das hören. Da tut es gut, wenn man zumindest jemanden anrufen kann - danke, Lorelei!
Für kurze Zeit sah es so aus, als müsste ich mir in Regensburg ein Hotelzimmer nehmen und das Auto am Tag darauf reparieren lassen, um dann erst einen Tag später und viele hundert Euro ärmer in Graz anzukommen. Mit Hilfe des Tankwarts und des ADAC fand sich dann aber doch noch eine Notlösung, für die ich im ADAC-Fragebogen unter "auf eigene Verantwortung weiterfahren" auch unterschrieb: Ein Kühler-Dichtmittel für gut 8 Euro, neu mit Wasser auffüllen, einen kleinen Plastikkanister zusätzlich mit Kühlwasser für eventuelle Nachbefüllungen auf der Autobahn ins Auto stellen und versuchen, die nächsten 450km bis heim zu fahren. Immerhin wusste ich jetzt, worauf ich zu achten hatte: solang die Heizung noch heizt, ist genügend Kühlwasser im Kreislauf.
Fazit: Berlin-Graz in 10h statt in 8, und bereits das dritte Mal in Regensburg nach einem Reifenschaden und einem Auspuff-Problem liegengeblieben. Ach ja, und der notdürftig geflickte Kühler muss natürlich auch noch ersetzt werden, aber jetzt kann ich mich in Ruhe nach anderen Anbietern umschauen und ihn dann selbst wechseln.
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Kommentare:
Lorelei (22.9.2008, 15:41)
Kesro (22.9.2008, 19:45)
Boo (22.9.2008, 22:14)
tigger (22.9.2008, 23:11)
Ise (22.9.2008, 23:44)