Der Bock als Gärtner
4. Feber
In der heutigen Welt ist man ja bizarre bis peinliche Nachrichten gewöhnt. Von den sogenannten Quiz-Fragen ("Wie heisst eine erfolgreiche US-Serie? CSI Miami oder CSI Prag?"), die private Fernsehsender gern in den Werbepausen stellen, um über eine kostenpflichtige Telefonnummer noch ein wenig zusätzliches Geld zu machen, hat man sich ja ein dickes Fell zugelegt. Bei manchen Meldungen hat man dennoch das Gefühl, hier will jemand bewusst die Aufmerksamkeit und den Schmerzfaktor der Gesamtbevölkerung testen - allein die letzten Tage kamen diese beiden Meldungen vorbei:
DE-Mail
Das deutsche Bundesinnenministerium plant den Aufbau einer sicheren Kommunikationsplattform. Jeder Bürger, der sich eine kostenpflichtige De-Mail-Adresse zulegt, kann vertrauliche und verschlüsselte Mails verschicken und empfangen. Zudem kann der Absender einer De-Mail eine rechtssichere Sende-Bestätigung erhalten, die der Diensteanbieter mit einer qualifizierten elektronischen Signatur versehen muss. Für den Versand und die Bestätigung muss er Porto bezahlen. Damit soll nun elektronisch abgewickelt werden können, was nach Angaben des Ministeriums "heute mangels erforderlicher Sicherheit, Verbindlichkeit und Vertraulichkeit im Internet in der Regel nicht möglich ist" (mehr bei heise.de).
Also das Innenministerium, welches meinen Computer mit Bundestrojanern verwanzen will, welches keine Verfassungsbedenken darin erkennen kann, über Vorratsdatenspeicherung gigantische Datenberge ganz ohne begründeten Anfangsverdacht sozusagen "auf Verdacht" zu sammeln, welches sowohl dem BKA als auch den Geheimdiensten vorsteht - dieses Innenministerium will also von mir auch noch Geld, damit ich meine vertraulichen Dokumente über ihre Infrastruktur abwickle? Klingt das nur in meinen Ohren seltsam?
Tarnkappe gegen Videoüberwachung
In einer Welt voller Videoüberwachungssysteme meint der US-Forscher Jack Brassil eine Lösung gefunden zu haben. Seine Entwicklung "Cloak" ... soll eine digitale Tarnkappe bilden, die den Träger vor Kameras im öffentlichen Raum schützt, berichtet das Wissenschaftsportal NewScientist. Die Position des Geschützten erfährt das Kameranetzwerk durch einen GPS-Empfänger, der beispielsweise im Handy verbaut ist und laufend seinen aktuellen Standort meldet. Das System teilt allen Kameras in der näheren Umgebung mit, dass sie die entsprechende Person nicht filmen dürfen. Anhand der exakten Positionsdaten erkennen die Kameras die betroffenen Personen und verzerren das Gesicht in der Aufnahmen automatisch.
Ich soll also sozusagen als Rundstrahler meine ID und meine Position die ganze Zeit "laut herausschreien", ohne zu wissen, wer die Daten aufzeichnet und wofür danach verwendet, damit eventuell herumstehende Kameras die Daten vielleicht - wenn sie wollen, was ich ja auch nicht kontrollieren kann - mein Gesicht dann verpixeln? Natürlich würde "für Strafverfolgungszwecke" sicher auch noch eine nichtverpixelte Aufnahme mitgesichert, und zusätzlich kann man prima Bewegungsprofile erstellen, wenn jemand so freimütig seine Identität und seine Position rund um die Uhr der ganzen Welt mitteilt? Will der Forscher mich verarschen, oder ist er wirklich so weltfremd?
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Kommentare:
Wulff (4.2.2009, 21:21)
Kesro (5.2.2009, 15:00)