Cholera

15. Feber

Geschrieben am 15.2.2009 von Tigger, abgelegt unter Philosophisches

In früheren Zeiten war Cholera eine gefürchtete Krankheit. Noch Ende des 19. Jahrhundert starben an ihr auch in Europa viele Mensche, so 1892 in Hamburg 8600 Menschen. Robert Koch, damals schon nach Entdeckung von Tuberkulose- und Milzbranderregern ein weltbekannter Arzt und Leiter des Berliner Hygiene-Institutes eine Autorität, sorgte dafür, dass auch den letzten Zweiflern der Zusammenhang zwischen den damals bedauerlichen hygienischen Zuständen der Hansestadt und der Krankheit klar wurde.

Über 100 Jahre später grassiert nun die Cholera in Simbabwe. Während wir in Europa aufgrund der Standards unserer Wasseraufbereitung diese Krankheit praktisch nicht mehr kennen, sterben in Afrika reihenweise die Menschen. Was für uns eine Selbstverständlichkeit ist - sauberes Trinkwasser -, stellt die durch Bürgerkrieg und Diktatur vollkommen marode Infrastruktur vor unlösbare Probleme. Hier treffen Rückgang der Spendengelder durch die Weltwirtschaftskrise, der wirtschaftliche Bankrott auf dem durch die Industrienationen gnadenlos ausgenutzten Kontinent und das politische Chaos höchst unglücklich zusammen.

Manchmal tut es weh, Nachrichten zu sehen.

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Kommentare:

simbaland

das durchschnittliche einkommen eines lehrers dort entspricht durch die ueber jahre anhaltende hyperinflation umgerechnet $1. davon kann man selbst dort nur ein brot kaufen. und lehrer verdienen gar dort gar nicht so schlecht im vergleich. verseuchtes wasser ist also leider nicht deren einziges problem. und solang die verantwortlichen gut leben, geld beseite schaffen und im falle der demokratiesierung ihre freiheit verlieren wuerden, wird dort leider nicht passieren. es sei denn in suedafrika bewegt sich mal was... ich mag wegen sowas oft gar nicht mehr studiern. denn sowas ist mein taeglich brot und jeden tag mit dem leid dieser welt in allen seinen schillernden facetten befasst zu sein macht betruebt. sehr. manchen tag hilft da nur viel bier und stumpfes fernsehen. hmpf.

daniel (16.2.2009, 00:02)

Oh ja, oh ja... Stumpfes Fernsehen... Ich hab am Wochenende aus lauter Verzweiflung Germanys Next Top Model im Internet geguckt. Ich schäme mich, aber mein Kopf wollte das unbedingt.
Ich hab gestern Abend auch eine Ärztin ohne Grenzen in Simbabwe gesehen, die war 27 oder so. Was man alles tun könnte. Ich schäme mich noch mehr.
Und letzte Woche habe ich einen Bericht über Cuba gesehen, da waren Kinder, die lebten in Hütten mit Lehmboden und meinten, dass sie später etwas für die armen Menschen auf der Welt tun möchten, denen es nicht so gut geht...
Waah, ich habe keine URL mehr, die ich hier sinnvollerweise eintragen kann! ;)

Kesro (16.2.2009, 12:00)

@daniel: richtig, dass dort Menschen verhungern, dass sie im Elend leben, all das ist auch jenseits jeder Vorstellungskraft. Das Beispiel Cholera sticht für mich deshalb heraus, weil wir in Europa soviele Dinge als selbstverständlich ansehen, dass wir gar nicht drüber nachdenken - trinkbares Wasser z.B.
Afrika hat ja jede Menge Probleme: AIDS-Verbreitung bei teils über 30% der Bevölkerung, keine lokale Landwirtschaft, weil Milchpulver aus Restbeständen der subventionierten EU-Landwirtschaft die regionalen Märkte kaputt macht, Ausbeutung der Rohstoffe, die vielen Kriege, in denen Kindersoldaten mit automatischen Waffen aufeinander losgehen... Auch trifft der von den Industrienationen verursachte Klimawandel ausgerechnet die ärmsten Landstriche am stärksten.
Allerdings kann man nicht alles sofort ändern, manche Situationen sind einfach verfahren. Da muss man jetzt net gleich in Resignation verfallen, denn das ändert ja auch nix: ein wenig Demut täte uns in den industrialisierten Ländern täte einfach gut.
@Kesro: Hier braucht man zum Glück keine URL angeben. Und wenn doch, dann benütz doch Ulrikes Nachruf auf Dich ;)

tigger (16.2.2009, 13:01)

allie

Hm...aber solange es noch weh tut, sind wir wenigstens noch nicht so abgestumpf wie andere Menschen. Die Frage ist nur: Was tun? Hilfe zur Selbsthilfe? Passiert ja schon in großten Teilen...nur solange sich das System nicht ändert, wird sich auch für den Großteil der Menschen in kürzester Zeit wenig ändern. Gegen die Ursachen kämpfen? Mit Intervention? Sehr heikel...

allieswelt (17.2.2009, 09:28)