Mondfinsternis

3. März

Geschrieben am 3.3.2007 von Tigger

Im Gegensatz zu einer totalen Sonnenfinsternis, die nur alle jubel Jahre stattfindet, ist eine Mondfinsternis längst nicht so aufregend, und es gibt sie auch viel öfter. Die letzte hatte ich in Siegen in Deutschland auf dem Balkon stehend erlebt, und ehrlich gesagt hatte es mich damals nicht wirklich umgehauen.

Aber diesmal war es anders: Zumindest in Graz war der Himmel sternenklar, in diesem Winter konnte man es auch Anfang März stundenlang im Freien ohne Frostbeulen aushalten, und nur 10min von meiner Wohnung entfernt hatte ich am Plabutsch einen Standort gefunden, an dem ich allein und vor allem ohne das störende Licht einer Großstadt gestört dieses Naturschauspiel geniessen konnte.

[Im Schatten ist der Mond kupferfarben]

Der kupferfarbene Mond im Kernschatten der Erde - über Graz (Dank an Gela!)

Wenn am Himmel die Sterne blinken (unglaublich, wie beeindruckend ein Sternenhimmel ausserhalb der Stadt wirkt!) entrücken einem die Sorgen des Alltags. Meine Gedanken schweiften ab zu einer Zeit, in der die uns so vertrauten Errungenschaften der Zivilisation noch nicht erfunden waren: Wie mochte damals das Leben gewesen sein, ohne Licht (ein Lagerfeuer ist was anderes als eine durchgängig erhellte Stadt), ohne Telefon, ohne Internet, ohne Fahrzeuge, ohne Nachrichten, ohne Kühlschrank, ohne Bier, ohne... - nein, Spass wär wohl auch damals zumindest Teil des Lebens gewesen, so wie ja auch meine Kindheit im real existierenden Kommunismus in Ostdeutschland tolle Momente hatte.

Es dauerte eine gute Stunde, bis der Erdschatten über die helle Vollmond-Scheibe gekrabbelt war. Gerade die letzten Minuten zogen sich wie Gummi - schliesslich will man ja den magischen Moment, in dem der letzte Sonnenstrahl vom Mond verschwindet, ja nicht verpassen. Mit einem aufsehenerregenden Feuerring (oder bildete ich mir das nur ein?) war es soweit, und dann kam das eigentlich aufregende: Der Mond war nicht etwa unsichtbar, sondern prangte schaurig-schön in einer Art Kupferfarbe am Nachthimmel.

Schon kurz vor der totalen Finsternis waren die eigentlich im Schatten liegende Teil des Mondes erahnbar. Laut der Wissenschaft sind die durch die Erdatmosphäre gebrochenen und reflektierten langwelligen Lichtanteile dafür zuständig. Mag sein, etwas esoterisches hat es auf jeden Fall. Ein blutroter Mond schaut aus wie eine Drohung, wie eine sagenhafte Verheißung.

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