Klimaerwärmung, live erlebt

19. Juli

Geschrieben am 19.7.2010 von Tigger, abgelegt unter Philosophisches

Wetter und Klima sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Während das Wetter starken Schwankungen unterworfen ist und jeder weiss, dass ein sonniger Tag nicht den ganzen Sommer beeinflusst, ist das Klima nur von Statistikern mit ihrem Messwahn zu erfassen. Es ist kurzsichtig, von einer aktuellen Wetterlage auf globale Änderungen zu schliessen.

Dennoch beschleicht einen bei dem heurigen Sommer ein seltsam unwohles Gefühl. Tagelang brennt die Sonne so heiss hernieder, dass man in unserer Dachgeschoss-Wohnung keinen Schlaf findet. Dazu kommen Hagelschauer wie in der Nacht von Samstag auf Sonntag, die beängstigend laut gegen die Fenster trommeln, in den Zeitungen liest man von Überflutungen, die kräftig genug sind, Autos wie Spielzeuge herumtreiben zu lassen - und dies nicht irgendwo weit weg, sondern hier in der Steiermark. Krass!

So schaut also unsere Zukunft aus: heissere Sommer, heftige Unwetter, warme Seen. Doch die Wetteränderungen sind nicht alles. Die Klimaänderung bewirkt eine Verschiebung der Flora und Fauna: So werden in naher Zukunft Tropenkrankheiten zunehmend auch Europa betreffen, so wird das steirische Volksgut Kürbis wohl hierzulande aussterben, die Landwirtschaft wird von Unwettern öfter heimgesucht, hat dafür vielleicht mehr Erträge durch einen längeren Sommer. Weinanbaugebiete werde ein paar Jahre von der Veränderung profitieren, ehe es ihnen zu warm wird.

Es zeigt sich, dass wir Menschen den Planeten nicht zerstören - wir machen ihn nur unbewohnbar für Menschen. Blöd eigentlich.

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Kommentare:

*Klugscheissermodus an* Von Klimaveränderung lässt sich erst dann sprechen, wenn die Veränderung über einen Zeitrauzm von 30 Jahren festgestellt wird. Jedenfalls vor ein paar Jahren so gelernt*Klugscheissermodus aus* Dauert also noch etwas mit dem Klima. Die Veränderung beschränkt sich auch nur auf eine Region. Also nur, weil wir die letzten 5 Jahre immer wärmere und chaotischere Sommer hatten, hat das nüscht mit Klimaveränderung zu tun (Ich weiß das du das auch nie so gesagt hast). Aber stimmt schon, die Natur wird sich mit der Zeit anpassen und dann hat sie damit kein Problem mehr (Ich glaub kaum, dass die Tiere wissen, wo auf der Erde sie sich befinden, sie merken einfach, Aha, das Wetter gefällt mir, hier bleib ich). Aber wir Menschen können uns halt nicht so gut anpassen, bzw. wollen wir es gar nicht.

Luise (19.7.2010, 11:28)

Gerade die Tiere werden beim Eintreffen der derzeitigen Prognosen (+2.5 bis +4 Grad bis 2100) MASSENHAFT sterben - das "och, zu warm hier, ich zieh nach Norden" schaffen nur die wenigstens. Wenn es so kommt wie es ausschaut werden sehr viele Arten einfach aussterben.
Doch das Leben an sich ist anpassungsfähig genug. Es gab auch früher schon Warm- und Kaltzeiten, auseinanderbrechende Kontinenten, ausbrechende Supervulkane etc. Das, was wir Menschen aktuell machen, ist nichts, womit die Erde an sich nicht fertig werden würde - aber es ist schon erstaunlich, wie stark der Einfluss von uns Menschen dennoch ist. Und wie durch und durch negativ für die menschliche Art.

tigger (19.7.2010, 11:35)

Klar, anfangs werden einige Tiere sterben, vor allem die Haustiere und andere, welche sich hauptsächlich durch den Menschen ernähren lassen, etc. Aber die Tiere werden sich schneller anpassen als wir Menschen. Und natürlich auch teils anders aussehen. Können ja nicht einfach alle umziehen und dann passen sie sich einfach mit weniger/ dünnerem Fell, etc. an. Haben sie ja früher auch schon gemacht. Ich habn ja nie behauptet, dass nach 2 Wochen wieder alles toll ist, das dauert schon einige Jahrzehnte. Aber im Vergleich zu dem Alter der Erde ist das kurz.

Luise (19.7.2010, 12:11)

Ich rede von TierARTEN, nicht von einzelnen Tieren. Wenn man "fast jede 3. Art vom Aussterben bedroht" [1] liest, dann wird einem klar, worum es hier geht.
Der Prozess der Evolution sorgt für Anpassung, aber bei solch schnellen Veränderungen wie dem aktuellen Klimawandel bleiben da viele Arten einfach auf der Strecke. Der Mensch ist nur eine von Millionen Arten, die am Ende mit den neuen Lebensumständen nicht mehr klarkommen.
In Jahrzehnten ist übrigens da nix zu machen, auch das Aussterben wird sich - bis auf die Eisbären, da ist mit dem Abschmelzen des Polareises Sense - einige Jahrhunderte oder Jahrtausende hinziehen.

tigger (19.7.2010, 12:18)

Urks. Abgesehen von den wirklich tragischen Folgen, macht mir persönlich das mit der Fauna am meisten Angst. Ich halte nämlich gar nichts von Taranteln auf meiner Terrasse :(

Kesro (19.7.2010, 12:41)

Klar klingt das momentan erschreckend, aber Arten sterben nunmal aus. Und es sind auch schon massig Arten ausgestorben. Jede Sekunden sterben ganze Arten aus. Aber so ist das Leben. Arten sterben aus und wieder neue entstehen. Irgendwann ist das Leben so vorbei. Dann interessiert es uns aber auch nicht mehr, weil auch die Menschen irgendwann aussterben. Tut mir Leid das so sagen zu müssen, aber es ist so. Wir Menschen sind nunmal nicht das Ende, auch wenn wir das gerne so hätten. Klar ist es schad, dass wir alles zerstören, bzw. das sich das Klima verändert. Der einzige Unterschied zu den früheren Veränderungen (Eiszeiten, dann wieder wärmere Perioden, dann wieder kalt) ist, dass es da noch keine Menschen gab, die sich einbildeten der Natur überlegen zu sein.
Ihr könnt gerne einer anderen Meinung sein, hab ich kein Problem mit.

Luise (19.7.2010, 13:35)

@Luise: Du sagst das gleiche wie ich, nur viel arroganter. Wo soll da eine andere Meinung sein? Bei Dir klingt es nur, als ob dir das alles komplett wurscht wäre.
Keiner von uns bestreitet, dass die Erde uns Menschen überdauern wird. Mich macht es aber wütend, wie die Menschheit trotz besseren Wissens mit Volldampf gegen die Wand rennt, während Dich das kalt lässt. Das sind aber keine Meinungsunterschiede.

tigger (19.7.2010, 13:52)

Mich lässt es nicht ganz kalt, aber ich kann einfach nicht verstehen, warum diejenigen, welche die Erde zerstören, indem sie keinerlei Rücksicht auf die Natur nehmen gleichzeitig meckern, dass es wärmer wird und sich alles verändert. Damit meine ich nicht, dass du dazu gehörst. Aber irgendwie bilden sich alle (natürlich gibt es viele Ausnahmen) ein, sie könnten machen was sie wollen ohne das es Folgen hat. Fast wie ein kleines Kind, was soviel Unfug bauen kann wie nur geht und trotzdem noch verhätschelt wird und alle ihm verzeihen. Das kotzt mich einfach an. Mir ist es in dem Sinne auch nicht egal, natürlich ist es doof, wenn die Arten aussterben. Die Ignoranz mancher Menschen, was sie unserer Umwelt antun und dann auch noch erwarten, dass trotzdem alles so bleibt, regt mich einfach auf. Klar, wir werden es nicht einfach abstellen können und in Einheit mir der Natur leben, aber dann müssen wir uns doch nicht noch einbilden, dass wir das Ende sind und nach uns nichts mehr kommt.
Ok, ich habe jetzt alles gesagt. Wahrscheinlich habe ich mich an einigen Stellen ungünstig ausgedrückt - dadurch das Missverständnis.

Luise (19.7.2010, 14:23)

Tigger, was Du offenbar dabei übersiehst, ist, dass auch Du ein Teil der Menschheit, die "trotz besseren Wissens mit Volldampf gegen die Wand rennt", bist.
Was meinst Du, wieviel CO2 ein Trip mit dem Auto von der Steiermark nach Deutschland und zurück verursacht? Oder welchen Dreck die Fahrt in einen grazer Außenbezirk und wieder zurück mit einer alten Karre produziert?
Es ist keiner gezwungen, den ach so bösen Erdölproduzenten das Öl abzukaufen und zu verfeuern.

jsmart (22.7.2010, 19:33)

@jsmart: Ich geb Dir recht, ich nehm mich explizit nicht aus, wenn ich die Probleme ansprech. ABER ich gehör zu den wenigen, die zu Fuss zum Hofer laufen und dafür NICHT das Auto nehmen. Überhaupt bin ich seit einem halben Jahr nicht mehr motorisiert. Selbst der öffentliche Bus wird zugunsten des Radls stehengelassen, und beim Pfingsttrip ans Mittelmeer waren wir DIE EINZIGEN, die ohne eigenes Fahrzeug am Zeltplatz waren.
Ich kaufe den Erdöl-Heinis über Plastik, Industrie-Landwirtschafts-Klumpert und ähnliches natürlich weiter Öl ab, und wenn ich im August nach einem Jahr mal wieder nach Deutschland jette und dafür diesmal den Flieger nehm verpeste ich die Umwelt.
Aber ich geb mir wenigstens Mühe, meine eigenen Gewohnheiten zu hinterfragen.

tigger (22.7.2010, 22:15)

@jsmart:
Wir 'abe gar keine Auto.

Lorelei (23.7.2010, 12:32)