Panik vor Massen
26. Juli
"10 Tote bei einer Massenpanik auf der Loveparade" flimmerte als Eilmeldung am Samstags über die Nachrichtenkanäle. Inzwischen steht fest, dass insgesamt 19 Menschen bei der als Party angedachten Großveranstaltung ihr Leben liessen. Sie stürzten beim Klettern von der Brücke, wurden niedergetreten, erstickten.
Massenpanik. Hunderttausende Menschen zusammengepfercht in ein Areal, aus welchem es keinen Ausweg gibt - schon ohne Panik eine Horrorvorstellung für mich, dem ja bereits Feiern mit zehn Menschen zuviel sind und der immer einen gewissen Freiraum braucht. Die Bedrängnis, wenn auch nicht in diesem Maßstab, hat wohl jeder von uns schon einmal erlebt: Auf Festivals kommen teilweise auch 100.000 Menschen zusammen, in ausverkauften Konzerten quetschen sich Tausende in viel zu kleine Hallen, selbst das friedliche Geschubse auf Weihnachtsmärkten kann einem schnell mächtig auf die Eier gehen.
Was die Augenzeugen aus Duisburg berichteten begann so ähnlich, wurde dann aber schlimmer. Es ging weder vor noch zurück, obwohl alle zur Abschluss-Veranstaltung wollten. Als Gerüchte über Massenschlägereien auftauchen entsteht erste Unruhe. Man sitzt 40min regelrecht fest in einem massiven Betontunnel, schwitzend, genervt, mit dem Gefühl ein paar Idioten wegen den Hauptact zu verpassen. Freunde und Bekannte werfen langsam ihre Nerven weg, bekommen Platzangst, haben das Gefühl keine Luft mehr zu bekommen. Dazu wird geschoben, gebrüllt, gedrängelt.
Man stelle sich jetzt noch sterbende Menschen direkt neben einem vor, in mehrere Lagen übereinander strampelnde Fremde, heilloses Chaos und der Verlust der Zivilisation. Denn in Ausnahmesituationen kommt der Instinkt in uns Menschen zum Vorschein, der Überlebenswille, der jeden rationalen Gedanken und jede Freundlichkeit spielend überlagert. Wenn man in den Sog gerissen wird, stemmt man sich mit aller Kraft dagegen, kämpft um das eigene Überleben.
Das Aufarbeiten der immer lauter werdenden Vorwürfe gegen die Verantwortlichen überlass ich anderen. Ich selbst möchte mich bei der Gelegenheit einfach nur bei all den Profis bedanken, die bei ähnlichen Events in der Vergangenheit mit oft überzogenen Sicherheits-Bedenken dafür sorgten, dass ich so etwas nie erleben musste. All die Rettungskräfte, die "für Notfälle" auf jedem Volksfest stationiert sind, all die Security-Kontrollen bei Festivals, all die Parkplatzeinweiser und Ordnungskräfte, die von allen gehasst dafür sorgen, dass nie die Zivilisation zusammenbricht. Die Polizei, die mit Alkoholkontrollen und Drogenrazzien Macht demonstriert. All denjenigen, denen ich in der Vergangenheit nicht selten böse und genervt dumme Sprüche entgegengesetzt habe, möchte ich hier meine Dank aussprechen.
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Kommentare:
daniel (26.7.2010, 20:00)
anonyme Meinung (4.8.2010, 12:13)
kraM (4.8.2010, 12:14)