Experiment: Zusammenleben mit einem Junggesellen
2. Juli
Zu meiner Entschuldigung: diverse Macken schleichen sich im Lauf der Zeit einfach ein ("Warum liegt da ein Karton auf dem Boden?") - ein chaotischer Haushalt sagt zwar einiges über den Charakter aus, aber eben nicht alles. Hoffe ich zumindest. Nach nun einigen Jahren des Junggesellen-Lebens hatte ich am letzten Wochenende wieder einen Vorgeschmack bekommen, wie ein Zusammenleben auf engem Raum ausschauen kann. Und wider Erwarten ist es recht gut gelaufen, was zugegeben auch an der hohen Leidensfähigkeit meiner zauberhaften Begleitung lag.
Es beginnt bei der Frage, auf welcher Seite des Bettes man liegt und wer zuerst aufsteht. Ein weiteres kritisches Gebiet ist das Badezimmer - warmes Wasser gibt es dank Nachtstrom nur begrenzt, ebenso wie Abstellfläche neben dem Waschbecken (Unglaublich, was Frauen so alles an Kosmetika mit sich herumschleppen! Kein Wunder, dass der Koffer so schwer war!), auch hier hat mein Besuch eine erstaunliche Anpassungsfähigkeit bewiesen. Danke!
Der Junggesellen-Kühlschrank - verheiratete Männer kennen die Zeiten nicht mehr, in denen nur eine braune Banane und ein 3er Pack Pudding-Pulver im Kühlschrank ein tristes und einsames Dasein fristen, denn bis auf Bier (und dieses wurde vor Jahren aus meinem Haushalt verbannt) gibt es im Junggesellen-Kühlschrank eigentlich nie etwas zu essen. Gekauft wird spontan und nicht vorausschauend planend. Leider, denn wie oft bin ich schon mit knurrendem Magen vor dem TV gesessen...
Das Gewand liegt in mehreren Haufen quer in der Wohnung verteilt - der einzige Platz, wo kein Gewand zu finden ist, ist der Schrank :) Für Katzen der ideale Abenteuer-Spielplatz ist dies ein Zustand, der nicht unbedingt gewollt ist, sich durch Faulheit aber zur Normalität geworden ist. Was zu schmutzig zum Tragen ist landet im Badezimmer auf einer Halde, wandert bei Gelegenheit in die Maschine und von dort auf den Wäsche-Ständer. Direkt dort wird jeden Morgen neues Gewand gesucht, zur Not müssen die Wäsche-Haufen ausserhalb des Badezimmers als Reservoir dienen - so ein System hat nur bei Menschen Bestand, die ohne mit der Wimper zu zucken Stiefel mit Shorts kombinieren, verschiedenfarbige Socken tragen und nicht einmal ein Bügeleisen besitzen. Bei Menschen wie mir.
Gespräche über Innenraum-Gestaltung: Wand-Farben, Deckchen auf den Tischen, Blumen (mein vertrockneter Bonsai zählte aus unerfindlichen Gründen nicht), Gardinen... Man schaut sich um, registriert eigentlich erst in solchen Momenten die armseligen Verhältnisse, in denen man wohnt (ok, Kabelfernsehen und Internet - so schlecht ist Tiggers Schlafhöhle gar nicht *g*), fragt sich wieso man nicht von allein den Drang hat, eine schöne Unterkunft herzurichten. Dankt den Mächten des Schicksals, dass der Besuch auf das herrschende Chaos mit (vorgespielter?) Gelassenheit reagiert.
Und dann - ja, ich steh dazu! Dann wünscht man sich, man könnte diesen Junggesellenhaushalt eintauschen gegen ein Leben zu zweit. Ein Leben, in dem der Mist jeden Tag weggebracht wird, in dem sich leere Flaschen nicht ein halbes Jahr stapeln, in dem Nudeln nicht 2 Jahre nach Ablauf-Datum noch immer im Küchenschrank herumliegen. Ein Leben, in dem das Fernsehprogramm ein Kompromiss ist, in dem das Badezimmer immerzu durch die vielen Wässerchen, Fläschchen und Lotiönchen zugeräumt ist und so wunderbar riecht... Ein Leben, in dem man heim kommt und sich glücklich fühlt, weil man nicht allein lebt.
Das Experiment hatte zwar meine Schwächen im Ist-Stand deutlich gezeigt, jedoch definitiv Lust auf mehr gemacht. Mit einem Menschen zusammenzuleben bedeutet, dass man Kompromisse eingehen muss, doch ich glaub ich hab da Blut geleckt und will nun mehr davon.
Irgendwann wird sich die Begeisterung für das Zusammenleben auch legen :)
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